Drei Teilnehmer der Sommerschule 2016 über prägende Eindrücke ihres Aufenthalts
Eine Gruppe mit 13 Studierenden der Palacký -Universität in Olomouc (Olmütz) in der Tschechischen Republik war im Rahmen der ersten diesjährigen Sommerschule im Juni zu Gast bei der STIFTUNG HAUS der action 365. Nach zwei inhaltsreichen Wochen berichten Daniela Horakova (24), Lenka Dostalova (29) und Roman Misák (24) von ihren Eindrücken und Erfahrungen während ihres Aufenthalts im Haus der action 365. Ein Gespräch über den Mut zu Neuem, über Grundschul-Pädagogik und über philosophische Fragen...
action 365: Was hat sie dazu motiviert, zur Sommerschule nach Frankfurt zu fahren?
Roman: Vor allem die Möglichkeit, über eine längere Zeit hinweg viel Deutsch zu sprechen – und natürlich wollte ich auch Frankfurt kennen lernen. Alle Studenten, die nach Deutschland fahren, haben anfangs Angst, dass sie beim Sprechen viele Fehler machen. Aber wenn ich wirklich den Mut habe, Neues zu erleben, kann ich die Angst überwinden und einfach sprechen. Dann ist das bald kein Problem mehr. Dazu gab es in der Sommerschule viele Gelegenheiten.
Daniela: Das war auch für mich der wichtigste Grund, warum ich mit nach Frankfurt fahren wollte, weil ich hier das Sprechen wirklich übe. Außerdem war die Sommerschule eine tolle Motivation für mich, beim Lernen für die vielen Prüfungen davor durchzuhalten.
action 365: Sie studieren alle drei an der pädagogischen Fakultät. Welche Aspekte der Sommerschule waren für Sie als angehende Lehrer und Lehrerinnen besonders spannend?
Lenka: Als Lehrer sollen wir anderen ja etwas beibringen. Da ist es sehr wichtig, dass wir uns immer Möglichkeiten suchen, selbst auch etwas Neues zu lernen. Hier habe ich Men-schen getroffen, mit denen ich reden kann und von denen ich etwas lernen kann. Von unseren Aktivitäten in Frankfurt war für mich der Besuch der Riedhofschule (eine multi-kulturelle Grundschule, Anm.) am interessantesten. Dadurch kann ich nun die Schulsysteme von Deutschland und Tschechien etwas vergleichen, etwa wie sich die Lehrer den Kindern gegenüber verhalten. Da gibt es sehr große Unterschiede! Die Kinder hier haben im Unterricht mehr Freiheiten als bei uns.
Daniela: Ja, in der Klasse, in der ich hospitiert habe, sah es auf den ersten Blick etwas nach Anarchie aus (lacht). Aber wenn ich die Stunde genau mitverfolge, kann ich mir ein eigenes Bild machen und sehe, dass da ein Konzept dahinter steckt. Und ich sehe, dass die Kinder hier selbstständiger sind als unsere Grundschulkinder, und für gewisse Dinge in ihrer Klasse verantwortlich sind, ganz selbstverständlich, obwohl sie noch sehr klein sind. Sie saßen vor der Tafel im Kreis und diskutierten – ich war begeistert!
action 365: Warum, denken Sie, ist das so?
Daniela: Es hängt mit der Freiheit zusammen. Bei uns möchten zwar alle Leute Freiheit haben. Aber sie haben keine Ahnung, wie sie ihre Freiheit gestalten sollen. Sie sind in die Freiheit geworfen, sozusagen, und sie sind verloren. Das ist es. Ich wollte nicht verloren sein, sondern lernen, mit Freiheit umzugehen und meine eigenen Erfahrungen machen.
Lenka: Es kommt auch darauf an, von welchen Einflüssen man geprägt wird und sich prägen lässt. Das haben wir auch in der Sommerschule überlegt, welche Formen von Leitung wir in unserem Leben schon erlebt haben, was wir davon behalten wollen und was nicht. Viele von uns haben berichtet, dass ihre Eltern oder Großeltern gesagt haben, "Fahre nicht nach Deutschland, dort gibt es Gefahr, bleibe lieber zuhause." Das hat viel mit den Schlagzeilen in unseren Medien zu tun, die oft nur an Sensationen interessiert sind.
action 365: Welche Themen aus den Sommerschul-Seminaren werden Sie vor allem mit auf Ihren Weg nehmen?
Roman: Die Gespräche mit Frau Back über die Arbeit der action 365 und mit Professor Patzelt über politische und gesellschaftliche Fragen in Deutschland und Tschechien fand ich sehr spannend. Und ich habe erfahren, dass man mit einer freundlichen Gesprächskultur viel weiter kommt, auch wenn man mal anderer Meinung ist. Auch das heutige Thema hat mich sehr interessiert: Glück, was bedeutet Glück für uns? Man sagt ja: "Ich habe Glück gehabt"¬ oder wünscht jemandem "viel Glück". Was verbinden wir mit diesem Thema?
Lenka: Fast alle Themen in den Gesprächen der Sommerschule waren auch ein bisschen philosophisch und mir hat das sehr gefallen. Man denkt ja über solche Themen im Alltag nicht oft nach und hier gab es die Gelegenheit dazu. Auch einmal eine Pause zu machen, nach innen zu schauen und zu überlegen, was für mich persönlich wichtig ist. Sich zu fragen: Wie bin ich? Was bedeuten verschiedene Dinge für mich? Das habe ich von der Sommerschule gelernt. Und Frau Back hat die Fähigkeit, die Gespräche so zu gestalten, dass sich die Leute öffnen. Ich erzähle normalerweise nicht viel über mich, aber sie schafft es! Das hängt auch damit zusammen, dass wir hier eine gute, kommunikative Gruppe waren.
Daniela: Mir gefällt, dass Frau Back uns mit dieser Art von Gesprächen viele andere Perspektiven zeigt. Dass sie mit keiner festen Definition der verschiedenen Themen beginnt, sondern sie uns bittet, unsere eigene Meinung dazu zu überlegen und zu sagen. Und dann höre ich verschiedene andere Ansichten und neue Aspekte. Wenn die Runde zu Ende ist, denke ich darüber nach. Ich bin dann auch in der Stimmung dazu, die Atmosphäre ist konzentriert, aber offen. Das sind für mich sehr interessante, prägende Erfahrungen.
action 365: Vielen Dank für das Gespräch und eine gute Heimreise!