Mit einem einfachen „Guten Abend“ begann am 13. März 2013 das Pontifikat von Jorge Mario Bergoglio, der sich fortan Franziskus nannte. Die Wahl des ersten Nichteuropäers als Papst und Bischof von Rom war etwas Neues in der Katholischen Kirche. Was dieses Pontifikat für die Zukunft bedeuten wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Vor zwölf Jahren nahm ein Mensch auf dem Stuhl Petri Platz, der mit Ecken und Kanten, manchmal unbequem, aber stets authentisch war.
Papst Franziskus scheute sich nicht, den Finger in die offenen Wunden unserer Gesellschaft zu legen. Seine erste Reise führte ihn nach Lampedusa, wo er an das Schicksal zahlreicher Geflüchteter erinnerte und die Gleichgültigkeit Europas gegenüber so vieler Gestorbenen anprangerte.
Sein Pontifikat war geprägt von einer klaren Ausrichtung auf die Peripherien – Obdachlose, Gefangene und Menschen am Rande der Gesellschaft standen im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns. Nach dem Skandal des kirchlichen Missbrauchs an Minderjährigen setzte er eine Nulltoleranzpolitik durch und suchte nach pastoralen Lösungen für kontroverse Fragen wie die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion oder die Segnung von LGBTQ-Personen. Türen wie die Weihe von Frauen bleiben zwar verschlossen, doch seine Bemühungen um eine stärkere Beteiligung der Laien an Entscheidungsprozessen markieren einen, für viele vermutlich noch zu zaghaften, Schritt in Richtung einer inklusiveren Kirche und einer Aufwertung der Frau.
Christentum als Haltung – das konnte man von diesem Papst lernen: Ein Mann der Armen und Zurückgelassenen – ein Osterchrist, der aus der Hoffnung auf die Auferstehung lebte.
„Die auf Gott hoffen, legen ihre schwachen Hände in seine große und starke Hand, sie lassen sich aufrichten und machen sich auf den Weg: Zusammen mit dem auferstandenen Jesus werden sie zu Pilgern der Hoffnung, zu Zeugen des Sieges der göttlichen Liebe, der unbewaffneten Macht des Lebens.“ So Franziskus in seiner Osterbotschaft vom vergangenen Ostersonntag.
Ruhe er in Frieden.