Presseschau Guatemala aus dem Jahr 2025 zum Tag ''indigene Bevölkerung''
Seit Frühjahr 2023 gibt es durch das repressive Vorgehen des Staates gegen die Selbstbestimmung, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in Guatemala eine deutlich erhöhte Medienaufmerksamkeit auf die Entwicklungen in dem mittelamerikanischen Land. Nicht nur die Dachorganisation der Genossenschaften der Kaffeebäuerinnen und -bauern Fedecocagua und deren Generaldirektor Ulrich Gurtner sind diesen Verfolgungen ausgesetzt, sondern auch andere Organisationen bis hin zu Parteien und dem neu gewählten Präsidenten.
Aus diesem Grund führen wir auf dieser Seite einen Pressespiegel, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, aber der einen guten Einblick in die Lage im Land gibt.
Proteste in Guatemala für Freilassung indigener Autoritäten am Unabhängigkeitstag
In den indigenen Regionen Guatemalas haben am 15. September zahlreiche Menschen gegen Rassismus, Diskriminierung und die Inhaftierung indigener Autoritäten protestiert. Dabei prangerten sie die Kriminalisierung der ehemaligen Vorstandsmitglieder des Selbstverwaltungsorgans 48 Kantone von Totonicapán, Héctor Chaclán und Luis Pacheco, an, die seit April in Haft sitzen (amerika21 berichtete). Beide waren Teil der Blockadebewegung des Jahres 2023 zur Verteidigung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen gegen den Putschversuch gegen Bernardo Arévalo.
(aus: amerika21.de; von: Thorben Austen)
Guatemala vor schwierigen Zeiten
Etwas Licht im Tunnel - aber mehr als ein Damoklesschwert
Guatemala befindet sich in einer komplexen Hängepartie, die die Regierbarkeit des Landes gefährden könnte. 18 Monate nach Amtsantritt der Regierung des Sozialdemokraten Bernardo Arévalo (Semilla) sehen Beobachter nach zuletzt zunehmend kritischen und zukunftsskeptischen Einschätzungen etwas Licht im Tunnel. Der Regierung bleibt nur wenig Zeit, um zu überzeugen. Ansonsten droht eine institutionelle Hängepartie oder gar ein Unregierbarkeits-Szenario, die den Weg für eine autokratische Lösung in den Wahlen 2027 bereiten könnten.
(aus: Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung; von: Prof. Dr. Stefan Jost)
Armut in Guatemala kaum reduziert, Indigene am stärksten betroffen
57,7 Prozent der Guatemalteken leben in multidimensionaler Armut, das geht aus einer am 17. Juni veröffentlichten Studie des Ministeriums für soziale Entwicklung (Mides) hervor. Der Studie liegen Daten aus dem Jahre 2023 zugrunde. Bei der ersten veröffentlichten Studie im Jahre 2019, mit Daten aus dem Jahre 2014, lebten 61,6 Prozent der Einwohner des Landes in multidimensionaler Armut, was einen Rückgang von nur 3,9 Prozent in knapp zehn Jahren bedeutet.
(aus: amerika21.de; von: Thorben Austen)
Urteil gegen Vergewaltiger von Maya-Frauen im Bürgerkrieg
40 Jahre Haft für illegale Inhaftierung, Folter und sexuelle Gewalt. Drei Täter verurteilt. Opfer werden Reparation einfordern40 Jahre Haft für illegale Inhaftierung, Folter und sexuelle Gewalt. Drei Täter verurteilt. Opfer werden Reparation einfordern
(aus: amerika21.de; von: Philipp Gerber)
»Arévalo sind die Hände gebunden«
Guatemala: Präsident wertet Festnahmen von indigenen Spitzenvertretern als Putschversuch. Rufe nach Druck auf Justiz. Ein Gespräch mit Carlos Mejía
(aus: junge Welt (Paywall); von: Thorben Austen)
Blockaden gegen Justiz
Nach Festnahme von Vertretern der indigenen Selbstverwaltung verstärkt sich der Protest
(aus: junge Welt (Paywall); von: Thorben Austen)
Eine indigene Erhebung
Konferenz in Guatemala: Warum 2023 vor allem Ureinwohner auf die Straße gingen
(aus: junge Welt (Paywall); von: Thorben Austen)
In Guatemala starben 2024 83 Kinder an akuter Unterernährung
Aus einem Bericht des guatemaltekischen Sekretariats für Ernährungssicherheit und -hygiene (Sesán) geht hervor, dass im vergangenen Jahr 83 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen akuter Unterernährung gestorben sind.
(aus: amerika21.de; von: Melanie Schnipper)
Eine einschneidende Erfahrung
2023 hatten Massenproteste Indigener den Amtsantritt der progressiven Regierung unter Arévalos ermöglicht. Ein Jahr später zieht Sandra Morán eine erste Bilanz.
Sandra Morán war Mitbegründerin der ersten lesbischen Organisation Guatemalas. 2015 war sie die erste Parlamentsabgeordnete des Landes, die sich als Feministin bezeichnet. Sie ist aktiv in sozialen Bewegungen und Teil der Bewegung für eine konstituierende Versammlung zur Erarbeitung einer neuen, plurinationalen Verfassung. Mit ihr sprachen wir über die Spielräume der neuen Regierung gegenüber dem Pakt der Korrupten und was sich aus der Machtdemonstration der indigenen Bewegungen lernen lässt.
(aus: medico international; von: Jana Flörchinger und Moritz Krawinkel im Interview mit Sandra Morán)