"Türen öffnen, Mauern niederreißen, Brücken bauen"
Der diesjährige Sommertreff der action 365 stand im Zeichen des Jahresmottos 2018 – "Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach". In seiner Ansprache bei der Eucharistiefeier am Vormittag betonte Erzbischof Alfons Nossol die Aktualität dieses Verses aus dem Buch Amos im Alten Testament. Angesichts von Krieg, Hunger, Gewalt und Perspektivlosigkeit als Ursachen von Flucht und Migration sei Europa als Kultur- und Wertegemeinschaft gefragt, insbesondere seine Humanität. "Mir schwebt ein Europa vor mit den Hauptanliegen: Türen öffnen, Mauern niederreißen, Brücken bauen," sagte Nossol und rief dazu auf, dem vereinten Europa dadurch "einen wahren christlichen Sinn zu geben."
Energisch erinnerte Erzbischof Alfons Nossol in seiner Ansprache: 'Denn große Christen nahmen an der Gründung des vereinten Europas als Werte- und Kulturgemeinschaft teil. Bitten wir in unserem heutigen Sommerfest und ganz besonders in diesem Gottesdienst darum, dass unser Europa ein wahres Europa, eine Heimat aller Europäer werden möchte und als Heimat bleibt, die wir gemeinsam, kreativ, beispielhaft lieben und dazu stehen - eben als wahre Christen.' (Bild: Ute Victor)
In diesem Jahr feiert die action 365 das 45jährige Bestehen der Partner- und Freundschaft mit den Kaffeebauern im Genossenschaftsverbund FEDECOCAGUA in Guatemala. Dieses Jubiläum gab den Anlass, im Rahmen des Sommertreffs an die Anfänge und wichtigen Stationen dieser Partnerschaft zu erinnern. Einige der versammelten Mitstreiter der action 365 waren vor 45 Jahren dabei, als die action 365 als erste Initiative begann, den so genannten "Indio-Kaffee" nicht zu Weltmarkt-Bedingungen, sondern nach den partnerschaftlich ausgehandelten Grundsätzen eines gerechten Handels zu importieren und in Deutschland zu vertreiben.
Vorstandsmitglied Matthias Copray erinnerte dabei an die Anfänge und fragte Kuratoriumsmitglied Gerlinde Back nach ihren Erlebnissen und Eindrücken der Veränderungen, die sie auf ihren verschiedenen Reisen nach Guatemala wahrgenommen hat. Sie besprachen dabei auch die Besonderheit des "gerechten Handels" der action 365 in Abgrenzung zum fairen Handel. Stefan Mook, Mitglied im Kuratorium und Geschäftsführer des Verlags der action 365, berichtete von seinen Erfahrungen bei Kaffeekäufern mit dem Kaffee aus gerechtem Handel. Der Gestalter der Bildmarke "Gerecht handeln", Prof. Gottfried Pott, erläuterte das Entstehen und die Grundgedanken dieses Signets.
Gerlinde Back und Stefan Mook, Mitglieder des Kuratoriums der STIFTUNG HAUS der action 365, stellten gemeinsam mit Vorstandsmitglied Matthias Copray ein neues Poster vor, welches anlässlich des 45jährigen Partnerschaftsjubiläums das Treueversprechen zu den Freunden in Guatemala erneuert. (Bild: Klaus-Peter Heyduck)
Und ein weiterer bedeutsamer Jahrestag wurde an diesem sonnigen Spätsommernachmittag im Hof der action 365 in Frankfurt in einem Gespräch von Vorstandsmitglied Dr. Rüdiger Fuchs und Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Rudolf Wichard gewürdigt: 60 Jahre action 365.
Prof. Dr. Rudolf Wichard, seit Jahrzehnten Begleiter und Mitarbeiter der action 365, verwies besonders auf die gesellschaftspolitische Dimension im Selbstverständnis wie auch im Wirken der action 365. Wichard ermutigte dazu, sich dessen bewusst zu sein, dass die action 365 hier oftmals "einen Schritt voraus" sei, wie schon die Erfolgsgeschichte des Themas Ökumene gezeigt habe: "Wir haben die Kompetenz genau in dem Punkt, der heute für die Gesellschaft so nötig ist, nämlich eine Ethik des Alltags. Die Basis dieser Alltagsethik ist Respekt."
Im Gespräch von Vorstandsmitglied Dr. Rüdiger Fuchs mit Prof. Dr. Rudolf Wichard kamen wichtige zentrale Punkte hinsichtlich Bedeutung und Selbstverständnis der action 356 zur Sprache. So schilderte Wichard etwa die Freiheit und Unabhängigkeit im Durchdenken und Gestalten der Projekte als für ihn besonders bedeutsam, ebenso die Offenheit in der Kommunikation. Fuchs ergänzte mit dem Aspekt der Absichtslosigkeit im Handeln. (Bild: Ute Victor)
Im Namen von Vorstand und Kuratorium dankte Rüdiger Fuchs für die vielen Impulse, die Rudolf Wichard im Laufe von sechs Jahrzehnten action 365 gesetzt habe. Einer davon, der Humor, durchzog diesen gesamten Programmpunkt spürbar und so fand der Sommertreff 2018 einen heiteren, kurzweiligen Abschluss.