
Eine Fülle von Impulsen, Gesprächen, Begegnungen und Überraschungen vereinte der diesjährige Sommertreff der action 365 auf zeitliche knappem Raum. Wie im Vorjahr hatten sich rund 160 Mitarbeiter, Freunde und Wegbegleiter aus dem In- und Ausland im Hof der Kennedyallee 111a eingefunden. Die Begrüßung übernahm Vorstandsmitglied Prof. Werner J. Patzelt, Dresden.
„Alle sollen eins sein, damit die Welt glaubt“

Im Zentrum des Treffens stand die Eucharistiefeier mit unserem erzbischöflichen Freund Alfons Nossol, der seine Ansprache den testamentarischen Abschiedsreden Jesu, seinem Wunsch „Ut unum sint – dass sie eins seien“ und damit der Einheit der Christen im Lichte von Abendmahl, Passion und Auferstehung widmete. Die „Ökumene unter dem Kreuz“ stelle hohe Ansprüche an den einzelnen Gläubigen sowie an alle Konfessionen, Kirchen und Gemeinschaften: Zum einen sei die Perspektive auf Augenhöhe, die Annährung an das Leiden und die Hingabe Christi von beiden Seiten nötig. „Wenn wir ans Kreuz Christi rücken, uns an das Zeichen des Heiles schmiegen, um es dynamischer zu umarmen, so werden wir unausweichlich anfangen, uns auch gegenseitig zu umarmen.
Und diese Umarmung muss konsequent dazu beitragen, dass die Welt glaubt“ (Joh 17,21), forderte der langjährige Erzbischof der Diözese Opole/Oppeln in seinem entschiedenen Votum.
„Wir wagen es, das Gewand des Herrn zu zerreißen“
Der „Weg der heilenden Demut“ werde zudem den Anspruch, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein, relativieren: Statt sich über andere Gruppierungen zu erheben, gehe für alle christlichen Gemeinschaften darum, immer wieder zu überprüfen, ob „die personalisierte Wahrheit“, nämlich Christus selbst, umgekehrt von ihnen Besitz ergriffen habe, ihre Worte und Taten präge.
Auch das Eingeständnis eigener Schuld an der Spaltung und Uneinigkeit der Christen gehöre zur „Ökumene unter dem Kreuz“, stellte Alfons Nossol in aller Klarheit und Schärfe fest: „Sollte es uns nicht ernst zu denken geben, dass die römischen Schächer es nicht wagten, Jesu Gewand zu zerstückeln? Sie warfen das Los, damit es unzerstückelt einem von ihnen gehöre. Und wie verhalten wir uns, wir, die Christen, seine Jünger? Symbolisch dürfen wir im Gewand Jesu heute seine Kirche sehen. Wir wagen es, das Gewand des Herrn zu zerreißen...“
Deutliche Worte fand der langjährige Wegbegleiter der action 365 bezüglich des „Mahlsakramentes als Ziel der Ökumene unter dem Kreuz“. Im Anstreben dieses Ziels gelte es weniger, die Selbstdarstellung und -abgrenzung zu wahren, als vielmehr, auch hier die Perspektive Jesu einzunehmen, für den das Mahl mit den Sündern das prophetische Zeichen der Gegenwart Gottes und seiner grenzüberschreitenden Liebe war. Abschließend resümierte Alfons Nossol: „Wahres Christsein ist ohne ökumenische Komponente nicht mehr möglich.“ (Den kompletten Text können Sie in Schriftfassung bei uns erhalten; schreiben Sie an [email protected].)
„Lasst uns miteinander singen, loben, preisen den Herrn“




Gemeinsames Beten und Singen, musikalisch begleitet von Familie Fath aus Neusäß bei Augsburg, Gespräch und Begegnung, Mahlhalten und Feiern gehören zu jedem Sommertreff der action 365 – ebenso wie der Besuch in den Räumen des Verlags der action 365 und die Frage: Was gibt es Neues? Eine Überraschung war diesmal die Präsentation des Buches „Kontinuität auf dem Weg der action 365“ – eine Dokumentation über 50 Jahre bewegte Geschichte unserer Gemeinschaft.
Die neue Dokumentation: 50 Jahre action 365, in Wort und Bild eingefangen auf 200 Seiten

„Diese Buch war längst überfällig: die Geschichte und Entwicklung der ökumenischen Laienbewegung action 365, zusammengefasst unter dem Titel `Kontinuität auf dem Weg der action 365`“, schreibt die Mainzer Journalistin Ulrike Haak in ihrer Rezension über die Neuerscheinung. „Die Autoren Gerlinde Back und Rudolf Wichard zeichnen die Geschichte der action 365 von den Anfängen 1958 bis in die Gegenwart nach. Entstanden ist eine fundierte Aufarbeitung der bisherigen Leistungen, die sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Aspekten widerspiegeln: u.a. eine anspruchsvolle christliche Öffentlichkeitsarbeit, Symposien und Sommerschulen für osteuropäische Wissenschaftler, Studenten und Lehrer sowie einem auf persönlichen Kontakten basierenden Engagement für Kaffeebauern in Guatemala. Ein spannender Überblick darüber, wie christliches Engagement über Glaubens- und Ländergrenzen hinweg seit mittlerweile fünf Jahrzehnten gesellschaftliche Wirkung entfalten kann.“


Es hätte keinen besseren Zeitpunkt geben können als diesen Sommertreff, um die Dokumentation eben jener Gemeinschaft vorzustellen, deren Leben und Tun das neue Buch in Wort und Bild festhält. Nach einer kurzen Einführung durch die Autoren brannte jeder darauf, die quasi noch druckfrischen Seiten durchzublättern, hier bei einem historischen Foto, dort bei einem aktuellen Postermotiv zu verweilen, sich zu erinnern und nach vorn zu blicken. Liegt doch mit dieser Dokumentation nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein Zugang für Interessierte vor, denen das Leben in der action 365 und ihre vielfältigen Ansätze zeitgemäßer christlicher Spiritualität neu sind.
Linkes Bild: Über das Gelingen des Werks und seine begeisterte Aufnahme freuen sich der Künstler und Gestalter Prof. Gottfried Pott, die Autoren Gerlinde Back und Prof. Rudolf Wichard sowie Dietrich Fischer, Geschäftsführer der Druckerei Maring-Fischer.
Das Stundengebet: „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob“
Der Sommertreff schloss mit einer Vesper, geleitet von Pater Werner Löser SJ (Mitte), der speziell bei den Psalmengesängen von Konrad Fath (links) und Rudolf Wichard unterstützt wurde. Pater Löser erläuterte die Tradition des Stundengebets als eigene, in sich abgerundete und ökumenische Form christlichen Betens. Sie findet sich, ausgehend von den jüdischen Psalmen, in der katholischen, der orthodoxen, der evangelischen und der anglikanischen Kirche.
„Das Stundengebet ist das gemeinsame Gebet des Volkes Gottes und ergänzt das persönliche, spontane Gebet des Einzelnen“, erläuterte Pater Löser. „Im Stundengebet werden wir über die großen Gebetstexte der Bibel und der kirchlichen Tradition in die Weite der Welt des Glaubens geführt.“
Fotos: Stephan Wagner, München